Gesunde Ernährung trotz hoher Preise?: So gelingt gutes Essen in der Inflation

Gesunde Ernährung kostet immer viel Geld? Stimmt nicht, sagt Mediziner Prof. Grönemeyer. Im Interview erklärt er, wie es funktionieren kann.

Die anhaltenden hohen Preise für Lebensmittel stellen viele Menschen vor eine Herausforderung. In Zeiten, in denen die Ausgaben sorgfältig abgewogen werden müssen, kommt es vielen wie eine Herkulesaufgabe vor, ausgewogene und nahrhafte Mahlzeiten zu sich zu nehmen, ohne das Budget zu strapazieren. Viele befürchten, dass sie sich gesundes Essen bald nicht mehr leisten können. „Keine Sorge, das geht“, sagt Arzt und Bestsellerautor Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, 70.

In seinem neuen Buch „Die Grönemeyer-Formel für gesundes Essen: einfach – günstig – nachhaltig“ (Veröffentlichung 8. Juli, ZS Verlag) zeigen er und Ehefrau Anja Grönemeyer, wie sich gesunde Ernährung und Geldsparen vereinbaren lassen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt Grönemeyer seine Formel für gesundes Essen. Drei Blitzrezepte nach der „Grönemeyer-Formel“ finden Sie hier.

Ihre Formel für gesundes Essen lautet: günstig + lecker + einfach = gut für uns + umweltschonend. Wie genau funktioniert das und worauf genau muss man achten?

Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer: Wir wollen mit diesem Buch zeigen, dass es sehr einfach ist, ein gesundes und günstiges Essen zuzubereiten und sich auf diese Weise gesund und mit Genuss zu ernähren. Der Trick dabei ist eigentlich ganz einfach: Es ist die richtige Auswahl an Lebensmitteln und die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten mit Hilfe von Gewürzen und Kräutern, um sich etwas Leckeres zu kochen. Reste können in anderer Form weiterverwertet werden, z. B. als Spaghettisauce.

Wer saisonales Gemüse einkauft, das aus der Region kommt, also Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Kohlrabi, Beeren oder Vollkorngetreide oder sogar Joghurt, spart erst einmal einiges an Geld. Lebensmittel, die aus der Umgebung stammen, müssen nicht weit transportiert werden und bleiben damit auch relativ stabil im Preis. Was beim Einkauf von heimischen saisonalen Produkten gespart wird, kann in wirklich gute Qualität investiert werden, auch in Bio-Qualität. Davon profitierten wir, weil es besser schmeckt und gesünder ist. Davon profitiert auch die Umwelt, weil lange Transportwege und unnötiger Verpackungsmüll wegfallen.

Streift man durch einen Supermarkt, bekommt man ebenfalls das Gefühl, Fertiggerichte und Tiefkühlkost seien billiger als frische Lebensmittel. Gerade in Zeiten der Inflation sagen viele, dass sie sich gesunde Ernährung nicht mehr leisten können. Sie sagen, das geht. Was ist der Trick?

Prof. Grönemeyer: Es scheint nur so, dass Fertiggerichte und Tiefkühlkost billiger sind – in Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. Wer richtig auswählt, die Mengen genau kalkuliert und Preise vergleicht, schafft Spielraum zum Sparen. Frisch Einkaufen spart Geld, denn bei schon hergestellten Mahlzeiten müssen wir für jede weitere industrielle Bearbeitung bezahlen. Lebensmittel, die aus der Umgebung stammen, müssen nicht weit ins Geschäft gebracht werden und bleiben damit auch relativ stabil im Preis, wenn Kosten für den Transport steigen.

Ein fertig geputzter und oft schon welk angebotener Mix-Salat ist immer teurer als ein frischer Salatkopf. Außerdem hat er schon einen Vitaminverlust erlitten. Zudem lässt sich mit den frisch eingekauften Nahrungsmitteln viel mehr variieren, viel kreativer kochen. Aus den Resten der Zutaten, die am Vortag verwendet wurden, lassen sie am nächsten Tag noch leckere Beilagen oder Dips z.B. für Schulbrote machen.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit bei der Auswahl der Lebensmittel? Und bedeutet gut für die Umwelt auch immer gleich gut für uns?

Nachhaltigkeit ist ein Aspekt, der in unserem Leben immer wichtiger wird, natürlich auch beim Essen. Deshalb sollte man sich fragen: Kommt ein Produkt aus dem Freiland, einem beheizten Gewächshaus oder mit dem Flugzeug ins Land? Wo kann ich Abfall vermeiden? Wir können nicht mehr so sorglos mit unseren Ressourcen umgehen. Das Einpacken von Gurken, Brokkoli oder Salat in Plastik ist unzumutbar.

Essen, das um die Ecke wächst – das ist die beste Devise für eine nachhaltige Ernährungsweise. Alles, was aus fernen Ländern importiert wird, ist meist nicht gut für unsere Erde. Und was außerhalb der Saison gezüchtet wird, verbraucht viel Energie. Selbst einheimische Gewächshaustomaten haben im Winter einen fast zehnmal so hohen ökologischen Fußabdruck wie Freilandtomaten im Sommer. Noch etwas größer ist der Unterschied bei Erdbeeren aus südlichen Ländern, die im Winter auch noch lange Transportwege haben.

Es geht einfach nichts über frische Lebensmittel. Je stärker ein Lebensmittel verarbeitet und je länger es gelagert ist, desto weniger gesunde Stoffe können wir in der Regel darin erwarten. Deshalb gibt es im Buch auch einen Plan für die unterschiedlichen Erntezeiten für das Gemüse.

Was sind die größten Missverständnisse oder Vorurteile in Bezug auf eine gesunde Ernährung, die gleichzeitig günstig und nachhaltig ist?

Prof. Grönemeyer: Es hält sich immer noch das Vorurteil, dass die Zubereitung von gesundem Essen viel zu aufwendig ist, zu kompliziert und viel zu lange dauert. Wir möchten mit unserem Buch zeigen, dass das nicht so ist.

Ganz im Gegenteil sogar. Wir stellen Gerichte vor, die schnell zubereitet sind und nicht übermäßig viele Zutaten brauchen. Wir wollen mit diesem Buch zugleich dazu ermuntern, sich mehr damit zu beschäftigen, was wir essen. Wir möchten auch unseren Kindern und Enkeln zeigen, wie sie ganz einfach leckeres Essen herstellen können. Ebenso, was für eine heilsame Wirkung Pflanzen und Gewürze haben. Wir wollen sie und uns alle auch dazu motivieren, achtsamer mit der Natur und unseren Mitbewohnern auf dem Planeten umzugehen.

Zur Produktion von einem Kilo Fleisch werden 15.000 Liter Wasser verbraucht! Es wäre sinnvoll, mehr Pflanzen anstatt Fleisch zu essen, weniger Tiere müssten gezüchtet und getötet werden. Auch der Methangehalt würde deutlich geringer. Das sind keine großen Geheimnisse, aber Erkenntnisse, die zum Nachdenken anregen und sich jederzeit umsetzen lassen. Das Buch soll Spaß vermitteln. Spaß, mit Kindern und Enkeln einkaufen zu gehen, den Tisch schön zu decken, gemeinsam zu kochen, die Speisen appetitlich anzurichten und in Ruhe gemeinsam zu genießen! Das gehört zu einem wohlbefindlichen gesunden Essen unbedingt dazu!

Express-Erbsensuppe

Zutaten: 1 mehlig kochende Kartoffel, 300 g TK-Erbsen, 300 ml Gemüsebrühe, Salz, Pfeffer, 30 g Butter oder Margarine, geriebener Parmesan

Zubereitung: Die Kartoffel schälen, waschen und in grobe Würfel schneiden. Zusammen mit den gefrorenen Erbsen, der Gemüsebrühe, Salz und Pfeffer in einen Topf geben. Alles aufkochen und zugedeckt bei schwacher Hitze ca. 20 Minuten köcheln lassen.

Den Topf vom Herd nehmen und die Butter zur Suppe geben. Die Suppe mit dem Stabmixer fein pürieren und leicht aufschäumen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Erbsensuppe nach Belieben mit Parmesan bestreut servieren.

Didis Ruckizucki-Salat

Zutaten: 200 g Brokkoliröschen, 100 g Cocktailtomaten, 1 Mini-Römersalat, 1 kleine Knoblauchzehe, 2 EL Zitronensaft, 2 EL Olivenöl, Salz, Pfeffer, 1 EL gehackte Kräuter (z.B. Rosmarin, Estragon, Petersilie)

Zubereitung: Den Brokkoli putzen, waschen, abtropfen lassen und im Blitzhacker oder mit einem großen Messer klein hacken. Die Tomaten waschen und halbieren. Den Salat putzen, waschen und in einzelne Blätter teilen. Den Knoblauch schälen und fein hacken.

Für das Dressing den Zitronensaft und das Öl mit Salz und Pfeffer verrühren. Kräuter, Brokkoli und Tomaten untermischen.

Die Salatblätter auf einem Teller oder in einer Schale anrichten, den Salat darauf verteilen und servieren.

One-Pot-Pasta mit Gemüse

Zutaten: 1 kleine Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 400 g Gemüse der Saison, 1 EL Olivenöl, 200 ml Milch oder ungesüßter Pflanzendrink, ca. 225 ml Gemüsebrühe, 175 g Vollkorn-Penne, 3 Stiele Basilikum, 2 EL Doppelrahmfrischkäse (oder pflanzliche Alternative), Salz, Pfeffer, geriebene Muskatnuss, 25 g geröstete Mandelstifte

Zubereitung: Zwiebel und Knoblauch schälen und fein würfeln. Gemüse je nach Sorte putzen, schälen, waschen und in kleine Stücke oder Würfel schneiden.

Das Öl in einem Topf erhitzen, Zwiebel, Knoblauch und das feste Gemüse darin unter Rühren drei bis vier Minuten andünsten.

Milch und Gemüsebrühe dazugeben und aufkochen. Die Nudeln einrühren, alles erneut aufkochen. Unter gelegentlichem Rühren bei mittlerer Hitze zwölf bis 15 Minuten kochen lassen. Dabei nach circa acht Minuten die weicheren Gemüsesorten dazugeben. Wird die Pasta zu trocken, noch etwas mehr Gemüsebrühe angießen.

Inzwischen das Basilikum waschen, trocken schütteln, die Blätter von den Stielen zupfen und bis auf einige Blättchen zum Garnieren in feine Streifen schneiden. Den Frischkäse unter die Pasta rühren, mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Basilikumstreifen dazugeben und untermischen. Die Pasta auf Tellern anrichten. Mit Mandeln bestreuen und mit übrigem Basilikum garnieren.

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