König Carl Gustaf: Rettung eines Models machte seinen Hund zum Staatsakt

Es ist eine so erstaunlich wie vielleicht längst in Vergessenheit geratene Geschichte, die König Carl Gustaf bereits vor mehreren Jahrzehnten widerfuhr. Protagonist:innen waren, neben dem Monarchen, sein damaliger Labrador, der anschließend aus politischen Gründen umbenannt werden musste – und ein chinesisches Fotomodell.

Im Jahr 1975, als die heutige Königin Silvia, 79, noch als Freundin des jungen Königs Carl Gustaf, 77, bekannt war, schenkte sie ihrem Liebsten einen schwarzen Labradorwelpen zu seinem Geburtstag am 30. April. „Eros“ hieß das Tierchen, nach dem griechischen Gott der Liebe . Der Jubilar sollte von seinem neuen Begleiter immer an Silvia erinnert werden. Der Royal jedoch, in seiner ganz speziellen Art, benannte Eros in Ali um, nach dem legendären Boxer Muhammad Ali, †74. Doch die Namensänderung sollte nicht lange Bestand haben – und das hatte einen skurrilen Grund. 

König Carl Gustaf wurde dank Hund Ali zum Retter in der Not

Das folgende Jahr nahm für Carl Gustaf und Ali einen dramatischen Ausklang, erzählt Jan Mårtenson, von 1975 bis 1979 Kanzleichef des Königs, in seinen Memoiren „Att kyssa ett träd“ [zu Deutsch: „Einen Baum küssen“].

Während Weihnachtsfeierlichkeiten in der Villa Beylon in der Nähe von Schloss Ulriksdal, in der Carl Gustafs Schwester Prinzessin Christina, 80, lebte, war ein chinesisches Model zu Gast. Die junge Frau war auf Einladung eines weiteren Anwesenden dort, der sie auf einem Flug kennengelernt hatte. Dann kam es zu einem kleinen Drama: Die ein wärmeres Klima gewohnte Asiatin war noch nie so weit oben im Norden gewesen und wusste nicht, wie sehr und wie schnell einem die Kälte dort zusetzen kann.
 
Irgendwann am späten Abend, schreibt Mårtenson, hatte sich das nur in ein dünnes Kleid gehüllte Model nach draußen begeben, um sich etwas abzukühlen. Dort war es unvermittelt in einer Schneewehe eingesunken. Ali, der zufällig zur rechten Zeit von seinem königlichen Herrchen Gassi geführt wurde, fand die Frau, und Carl Gustaf rettete sie vor dem Erfrieren. Man kann sich die Reaktionen der anderen Gäste vorstellen, als der Royal plötzlich mit einer leicht bekleideten Dame auf dem Arm wieder zur Festtagsgesellschaft stieß.  

Namenwahl für Vierbeiner löste politische Kettenreaktion aus

Die Geschichte schrieb internationale Schlagzeilen und sorgte bei den Leser:innen für Reaktionen – nicht nur für positive. Ein Mohammed H. beschwerte sich bei Mårtenson darüber, dass der Hund des Königs Ali genannt worden war. Denn: Abū l-HasanʿAlī ibn Abī Tālib, kurz Ali, war der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed und ist eine zentrale Figur des Islam. Einen Hund nach ihm zu benennen, sei eine Beleidigung für die Muslime der Welt, empörte sich Mohammed H.

„Ich schrieb einen Brief, in dem ich erklärte, dass Ali ein üblicher Hundename in Schweden sei, mich entschuldigte und sagte, dass es mir leidtäte, wenn dies als Beleidigung aufgefasst würde“, erinnert sich Mårtenson in seinen Memoiren.

Dass eine Erklärung jedoch nicht gut genug war, bemerkte der Kanzleichef, als ein Telegramm von der schwedischen Botschaft in Pakistan eintraf. Die Residenz war umringt von wütenden Menschen, die sich für diese Beleidigung ihres Glaubens rächen wollten. Angestachelt worden waren sie angeblich durch den pakistanischen Journalisten Targheb Hussein, der in einer dänischen Zeitung über den Vorfall gelesen hatte.

Der König, so Mårtenson, erkannte schnell den Ernst der Lage: Ali wurde sofort in Charlie umbenannt, was der Botschaft mitgeteilt wurde.

„Seine Majestät, der König, hat mich gebeten, Ihren Brief zu beantworten, in dem es um den Namen seines Hundes geht, der unter dem Namen Eros registriert ist, der sein offizieller Name ist“, zitierte die „Kvällsposten“ in dem Artikel mit dem Titel „Brev till Mr Hafiz Mohammed Idrees“, in dem der volle Name des Beschwerdeführers genannt wurde. „Als Spitzname wurde er jedoch früher Ahly genannt. Dies ist auch in Schweden ein recht gebräuchlicher Name für Hunde. Seine Majestät hat beschlossen, den Spitznamen seines Hundes von Ahly in Charlie zu ändern, um weitere Missverständnisse zu vermeiden.“

Model Kristina erlitt tragisches Schicksal

Während diese Schreibweise des Namens Ali in Europa sicher für hochgezogene Augenbrauen sorgte, beruhigten sich die Menschen in Pakistan und kehrten „glücklich und zufrieden über dieses Zeichen königlicher Weisheit nach Hause zurück“.

Information zu Hilfsangeboten

Sie haben suizidale Gedanken? Die Telefonseelsorge bietet Hilfe an. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800/1110111 und 0800/1110222 erreichbar. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der „Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention“.

Die Geschichte soll jedoch ein sehr tragisches Nachspiel gehabt haben, schreibt Dr. Erik Söderman in der „Kungens biografi“ aus dem Jahr 2013, dem ersten Teil seines sogenannten „Bernadotteprojektet“. Das chinesische Fotomodell, das als Liza Kristiane identifiziert wurde, beantragte eine Aufenthaltsgenehmigung für Schweden, nahm sich aber das Leben, bevor diese erteilt wurde.

Verwendete Quellen: Jan Mårtenson „Att kyssa ett träd“, Dr. Erik Söderman „Kungens biografi“

ama
Gala

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