„Tatort: Blinder Fleck“: Drei Antworten zum Schweiz-Krimi

„Tatort: Blinder Fleck“
Drei Antworten zum Schweiz-Krimi

"Tatort: Blinder Fleck": Die junge Zeugin Ella Perrier (Maura Landert) traut nur ihrer Retterin Kommissarin Isabelle Grandjean

„Tatort: Blinder Fleck“: Die junge Zeugin Ella Perrier (Maura Landert) traut nur ihrer Retterin Kommissarin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher). Der Vogelbeobachter Luka Gasser (Nicola Perot) liefert mit seiner Drohne wertvolle Hinweise.

© [M] ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek

Verbrechen via Drohnen? Das Massaker von Ahmići? Die Antworten zu den Fragen im „Tatort: Blinder Fleck“ gibt es hier.

Im „Tatort: Blinder Fleck“ (24.9., Das Erste) mussten die Schweizer Kommissarinnen Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher, 44) und Tessa Ott (Carol Schuler, 36) einen brutalen Dreifachmord aufklären. Ein Mädchen war die Hauptzeugin und eine Drohne die Mordwaffe. Das Motiv hängt mit dem Massaker von Ahmići zusammen.

Verbrechen via Drohne?

„Natürlich ist es für einen Krimi überaus spannend, neue Entwicklungen in der Drohnentechnologie zu thematisieren. Technologien, die sowohl zivil wie militärisch genutzt werden können – zum Nutzen oder zum Schaden von Menschen“, sagt Regisseur Tobias Ineichen zur offenbar realistischen Mordwaffe. Dass es in dem Krimi außerdem um „lange zurückliegende Kriegsverbrechen und um Fragen von Vergangenheitsbewältigung“ geht, ist für Ineichen „inmitten einer neutralen Schweiz […] eine durchaus brisante Mischung für einen ‚Tatort'“.

Auch Carol Schuler mahnt im Interview mit dem Sender: „Kameradrohnen im Film sind ein tolles Stilmittel – in der echten Welt jedoch können sie ohne Kontrolle leicht zum Angriff auf die Privatsphäre werden. Sie bergen viel Missbrauchspotenzial. Ein Himmel voller Vögel ist mir da bedeutend lieber“, sagt sie. Mit Verweis auf den Krieg in der Ukraine ergänzt sie beim Thema Drohnen: „Im militärischen Kontext gibt es sicherlich Pros und Kontras in der Debatte, aber im Allgemeinen habe ich das Gefühl, dass wir ein Stück weit von unserer Menschlichkeit verlieren, sobald wir uns hinter der Technik verstecken.“ Das könne man auch am Beispiel von Internet-Trollen sehr gut sehen. „Ich bevorzuge daher immer den direkten Kontakt, da durch die physische Distanz und den Filter der Technik, die Empathie leide“, so Schuler.

Anna Pieri Zuercher erklärt zu den Chancen und Grenzen der im Film gezeigten Technologie: „Es ist ein komplexes Thema, das eine gründliche Auseinandersetzung mit den sozialen, rechtlichen und ethischen Auswirkungen erfordert. Und es ist meiner Meinung nach wichtig, diese Technologien gesetzlich zu regeln, um Missbrauch zu verhindern.“

Bosnienkrieg: das Massaker von Ahmići am 16. April 1993

Ein lang zurückliegendes Kriegsverbrechen wird im Krimi zum Motiv. Das Massaker von Ahmići fand am 16. April 1993 während des Bosnienkrieges statt. Damals überfielen kroatische Soldaten das Dorf Ahmići in Zentralbosnien, steckten die Häuser von bosnischen Muslimen in Brand und töteten 116 Zivilisten, wie der „NDR“ zum Jahrestag in Erinnerung rief. Das Verbrechen wurde vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag aufgearbeitet.

Kinder am Filmset

Die kleine Maura Landert spielte eine wichtige Rolle im „Tatort: Blinder Fleck“. Regisseur Tobias Ineichen schwärmt von der Zusammenarbeit: „Maura Landert hat neben ihrem großen schauspielerischen Talent ein sehr ausdrucksstarkes Gesicht und unglaublich intensive Augen. Da sie in ihrer Rolle als traumatisiertes Opfer lange Zeit kein Wort spricht, ist ihr subtiles, nonverbales Spiel umso wichtiger für die Handlung.“

Wie findet man eine solche Kinderdarstellerin und wie schafft man es, dass sie sich am Filmset wohlfühlt? „Dank sorgfältigem Casting, detaillierten Vorgesprächen mit Laura, ihren Eltern und der Produktion, der Anwesenheit von speziell geschulten Kinder-Coaches, kindgerechten Proben vor dem Dreh und schließlich auf wenige Stunden begrenzten Drehzeiten, verlief die Arbeit mit Maura absolut problemlos und hat ihr große Freude gemacht“, erklärt der Filmemacher.

Er selbst arbeite mit jungen Darstellern und Darstellerinnen „stets auf Augenhöhe, das heißt, ich nehme sie als Schauspieler und Schauspielerinnen genauso ernst wie die erwachsenen Profis, ich vertraue ihnen zu hundert Prozent“. Die Ernsthaftigkeit im Teamwork mit Kinder- und Jungdarstellern fördere deren Spielfreude enorm, weiß er und fügt hinzu: „Das Vertrauen in ihre schauspielerischen Fähigkeiten motiviert sie erst recht, einen ganz persönlichen Zugang zu ihrer Rolle zu finden.“

SpotOnNews

zusammenhängende Posts